Ratgeber Fassadenfarbe

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Fassadenfarbe Kubushaus Weiss Reinigen
bezikus/Shutterstock.com

Ratgeber Fassadenfarbe

Selbstreinigende Fassaden sind keine Science Fiction

Hauswände bleiben nicht lange sehr ansehnlich. Denn schon kurz nach dem Anstrich ist der Schmutz schon wieder da. Insbesondere weiße Fassaden sind davon sehr extrem betroffen. Heute gibt es aber schon neuartige Farben, die die Fassaden sauber halten sollen und einen Selbstreinigungseffekt haben. Aber ist davon wirklich etwas zu halten?

Michael Bross vom Verband der deutschen Lack- und Druckfarbenindustrie erklärt, dass es durchaus Farben gibt, die einen Zusatznutzen besitzen. Diese werden meist als High-Tech-Farben bezeichnet. Sie sorgen nämlich dafür, dass Schmutzablagerungen auf der Farbe keine wirkliche Angriffsfläche finden, um sich dort abzusetzen. Zudem bringen solche Farben auch den Vorteil mit sich, dass sie nicht so schnell ausgleichen und somit auch direkter Sonneneinstrahlung etwas entgegenzusetzen haben. Auch Moose, Pilze, Algen und Bakterien haben es auf solchen Farben nicht leicht, sich festzusetzen. Für private Hausbesitzer sind diese Farben für Hausfassaden daher sehr interessant, dass sie mit einer langen Lebensdauer überzeugen können. Eine leichte Pflege besitzen sie zudem auch noch, wie Bross erklärt.

Nachteile kann der Lotuseffekt leider bringen

Bei Farben für Hausfassaden ist die Industrie auf immer größere Neuentwicklungen bedacht. Schwerpunktmäßig werden dabei vor allem Dinge wie die Säuberung von Fassaden sowie die Reinigung der Fassaden berücksichtigt. Seit der Jahrtausendwende sind dabei insbesondere Fassadenfarben mit einem Lotuseffekt auf dem Markt, die eine selbstreinigende Funktion besitzen. Wie bei der Lotuspflanze sollen auch bei diesen Farben Wasser und Schmutz von der Wand regelrecht abperlen und somit keine Chance haben, sich festzusetzen. Natürlich werden dafür die Effekte der Lotusblüte durch die Industrie chemisch nachgeahmt. Hydrophobe Chemikalien sorgen für eine größere Oberflächenspannung an der Fassade. Dadurch soll das Wasser dann ganz einfach abfließen können, wie Michael Bross bemerkt.

In der Natur und natürlich auch in der Theorie funktioniert dies selbstverständlich sehr gut. Bei der praktischen Umsetzung hapert es aber noch ein bisschen. Schließlich kommt der Regen nicht mit einer gleichen Intensität an alle Stellen der Hausfassade an. Und das wird dann leider dazu, dass der Effekt der Farben an den Hausfassaden nicht so ist, wie in der Natur und in der Theorie, wie das Vorstandsmitglied des Berufsverbandes Deutscher Baubiologen in Jesteburg in Niedersachsen, Uwe Münzenberg erklärt. Zumal eine Lotusblume immer wieder ihre Oberfläche erneuert, wenn diese zu sehr angegriffen ist. Bei einer Hausfassade wird das natürlich nicht gemacht. So ist es leider auch möglich, dass Hausfassaden schon nach kurzer Zeit schmutzig sein können, selbst wenn sie mit dieser Farbe angestrichen sind. Verschmutzte Stellen an der Fassade sind dann das Resultat, dass auch nicht gerade schön anzusehen ist.

Der Käfer-Effekt für neue Fassaden

Auf den Messen der Baubranche ist momentan auch ein anderer Effekt sehr präsent. Das Phänomen des Nebeltrinker-Käfers, der Tropfen von Morgentau auf seinem Panzer sammelt und mittels Kopfstand zum Trinken nutzt, wird ebenfalls für wasserabweisende Farben genutzt. So wird die Physiologie des Panzers des Käfers nachgeahmt. Die Oberfläche des Panzers besitzt nämlich eine mikrostrukturierte Oberfläche, die so als Vorbild für feuchtigkeitsabweisende Farbe dienen soll.

Von der Firma Sto aus Stühlingen wurde eine solche bionische Farbe bereits entwickelt. Und laut Angaben dieser Firma wird diese Farbe auch nur von Sto vertrieben. Ausschließlich über den Direktvertrieb ist daher die StoColor Dryonic Farbe erhältlich. Und da diese Farbe quasi ein Exklusiv Produkt ist, ist sie auch nicht ganz billig. Mit 99 Euro kostet ein Eimer mit 5 Liter Farbe schon sehr viel.

Der gewünschte Effekt dieser Farbe ist aber dafür auch vom Frauenhofer-Institut LBF in Darmstadt bestätigt worden. Denn eine Studie hat gezeigt, dass Wasser bei dieser Farbe von Sto im Vergleich zu anderen Farben, die auch ein wasserabweisende Effekt aufweisen, weitaus schneller abfließt.

Zudem lässt sich die Farbe ganz einfach ohne besondere Kenntnisse verwenden, und zwar laut Herstellerangaben auch auf allen üblichen Baufassaden.

Nebenwirkungen sind nicht immer ganz klar

Rolf Buschmann vom Bund für Umwelt und Naturschutz (BUND) in Berlin erklärt zudem, dass Methoden zur photokatalytischen Selbstreinigung bei Fassaden ebenfalls sehr gern genutzt werden. Diese Farben sind dann mit Titandioxid versetzt, was dabei helfen soll, einen Moose und Schmutz abzubauen. Auf der Fassade wird somit eine photokatalytische Schicht aufgetragen, die mit direkter Sonneneinstrahlung reagiert. Organische Materialien werden dann nämlich bei Sonneneinstrahlung zersetzen. Dieses Prinzip wird in etwas anderer Ausführung auch bei Backöfen benutzt, bei denen Schmutzpartikel durch große Hitze zerfallen. Dort liegt auch eine katalytische Selbstreinigung vor. Buschmann warnt jedoch davor, dass für solche Fassadenfarben noch keine langfristigen Studien gibt. So gibt es keine Erkenntnisse darüber, ob diese Farben irgendwelche chemischen Verbindungen entstehen lassen, wenn Schadstoffe mit der Fassadenfarbe in Kontakt kommen.

Eine einfache Reinigung kann schon Abhilfe schaffen

Bei der Auswahl der Farbe und vor allem der Art der Farbe kommt es manchmal einfach nur darauf an, welche Voraussetzungen für die Farbe vorliegen. Denn beispielsweise Dachüberstände können als bauliche Maßnahme schon Abhilfe schaffen, wenn es darum geht das Fassaden nicht so schnell verschmutzen. Und auch regelmäßige Reinigung der Fassaden können den Einsatz von Chemie vollkommen überflüssig machen.

Rainer Huke, der Hauptgeschäftsführer des Bundesverbandes Farbe Gestaltung Bautenschutz erklärt, dass beispielsweise Algen an Fassaden natürlich sehr unbeliebt sind. Dabei ist das ein Zeichen dafür, dass eine hohe Luftqualität an der Fassade vorliegt. Einem Bewuchs ist damit auch nicht immer vorzukommen, auch nicht mit speziellen Farben. Vielmehr sollten Hausbesitzer in solchen Fällen nicht auf Chemie setzen, sondern beispielsweise Algen mithilfe von mechanischen Fassadenreinigungen den gar ausmachen. Solche regelmäßig durchgeführten Reinigungen durch Malerbetriebe lassen die Verschmutzungen dann schon verschwinden, sind jedoch kaum sichtbar sind.

Biozide immer mit Vorsicht genießen

Bei Anti-Schimmel-Farben ist eine besondere Vorsicht geboten. Wenn solche Farben enthalten Biozide. Michael Bross erklärt daher auch, dass solche Farben im Innenbereich von Häusern niemals eingesetzt werden sollten. Und auch im Außenbereich ist höchstens eine zeitweise Benutzung erwähnenswert. Denn dauerhaft lösen sie das Problem von Schimmelbefall natürlich nicht. Vielmehr sind dafür meist bauliche Mängel die Ursache, die man dann natürlich auch in diesem Bereich bekämpfen muss. Auch falsches Lüftungsverhalten kann zu Schimmelbildung führen. In diesen beiden Fällen ist es daher völlig sinnlos, Anti-Schimmel-Farben zu nutzen.

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