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Beim Hausbau die Eigenleistung richtig kalkulieren

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Beim Hausbau die Eigenleistung richtig kalkulieren

Bei der Kalkulation der Eigenleistung warnen Experten davor, dass diese im Wert von den Bauherren zu sehr überschätzt werden. Durch die sogenannte “Muskelhypothek” können die Baukosten zwar gesenkt werden. Jedoch ist dieser Umfang der Kostensenkung meist nur gering. Zudem dürfen per Gesetz nicht alle Sachen alleine durchgeführt werden.

Viel Zeit und Know-how sind gefragt, wenn man Eigenleistungen ins Eigenheim steckt. Der Architekt Bernhard Riedl, der als Bauherrenberater beim Verband privater Bauherren (VPB) tätig ist, warnt daher davor, den Wert der Eigenleistung in der Kalkulation der Baukosten zu überschätzen. Denn am Ende der Rechnung kann das böse Folgen haben und sogar die gesamte Baufinanzierung kippen.

Das kann man tatsächlich durch die Eigenleistung sparen

Exemplarisch hat der VPB ausgerechnet, wie viel sich durch die Muskelhypothek in den Regionen München und Leipzig sparen lässt. So kommt man in München für ein Reihenendhaus, das drei Etagen inklusive Keller hat, rund 140 Quadratmeter groß ist und in etwa 254.000 Euro kostet auf etwa 19.000 Euro an Ersparnis durch die “Muskelhypothek”.

In Leipzig hingegen ist die Möglichkeit zu sparen weitaus niedriger, da hier sowohl das Lohn- und das Preisniveau anders sind. Ein Haus mit dem Beispiel aus München kostet dort etwa 218.000 Euro. Durch die Eigenleistung kann man in Leipzig so circa 16.000 Euro sparen, so der VPB.

Zwar klingen in beiden Beispielen die Ersparnisse nach sehr viel. Aber man muss auch den Zeitaufwand bedenken, den man bei der Eigenleistung erbringen muss. In beiden Fällen sind das für die exemplarischen Einsparungen rund 476 Stunden. Neben dem normalen Alltag mit Job und anderen Verpflichtungen ist das kaum zu stemmen und bedeutet natürlich extrem viel Stress und Schufterei.

Richtige Berechnung für den Wert der Eigenleistung anstellen

Axel Drückler von der Verbraucherzentrale Mecklenburg-Vorpommern rät, den Wert der Eigenleistung richtig und korrekt zu berechnen und nicht nur einfach zu schätzen. Wenn beispielsweise ein Fliesenleger 5000 kostet und er dabei eine Arbeitsleistung in Höhe von 3000 Euro hat, dann sollte der Bauherr auch 3000 Euro an Eigenleistung berechnen.

Eva Reinhold-Postina sieht die Berechnung der Eigenleistung hingegen anders. Schließlich muss der Gesamtaufwand berücksichtigt werden, die eine Gegenüberstellung von vielen Dingen gegenüber der Arbeitszeit des Fachmannes darstellt. So müssten natürlich auch Kosten für etwaige Fahrtkosten, Leihkosten für bestimmte Arbeitsgeräte sowie Material- und Gerätekosten berücksichtigt werden.

Eigenleistungen bringen auch Haftungsrisiken mit sich

Aus Sicherheitsgründen sollte man bei der Eigenleistung grundsätzlich die Finger von Elektroleitungen und -anschlüssen sein sowie von Wasserleistungen und -anschlüssen. Gleiches gilt auch, bei der Statik des Hauses. Wer beispielsweise Elektroleistungen legt, ohne ein ausgebildeter Elektrofachmann zu sein, der wird im Falle eines Brandes richtig viel Ärger bekommen. Daher warnt der VPB auch davor, solche Leistungen selbst zu unternehmen, wenn man nicht vom Fach ist. Und hobbymäßig zählt hier natürlich nicht, um vom Fach zu sein.

Versicherungen werden in Schadensfällen bei genannten Installationen nämlich sicherlich nicht zahlen, was dann richtig teuer werden kann. Zudem ist es beispielsweise beim Anschluss von Starkstrom sogar gesetzlich vorgeschrieben, dass ein Fachmann diese Arbeit ausführt.

Schwarzarbeit kann auch bei Bezahlung der Freunde vorliegen

Ein weiteres Thema in Sachen Eigenleistung ist die Schwarzarbeit. Klar, wenn man die Arbeiten wirklich gänzlich alleine durchführt, braucht man sich davor nicht zu fürchten. Werden aber beispielsweise Freunde oder Verwandte für ihre Hilfsleistungen bezahlt, dann kann man schnell in das Thema Schwarzarbeit rutschen. Der Rechtsanwalt Peter Oppler aus München, der auch Vorsitzender der Arbeitsgemeinschaft für Bau- und Immobilienrecht im Deutschen Anwaltverein ist, erklärt dazu, dass man schon bei so kleinen Summen wie 500 Euro dicke in der Schwarzarbeit hängt. Und Nachsicht brauchen Bauherren hier nicht einplanen. Der Fiskus lässt in solchen Fällen nämlich lieber harte Strenge walten anstatt Nachsicht zu zeigen. Zudem müssen bei der Berufsgenossenschaft Bau nach herrschendem Gesetz auch alle Helfer vom Bauherren gegen Unfälle abgesichert werden. Zudem muss der Bauherr auch für einen ausreichenden Arbeitsschutz sorgen. Ansonsten können Strafen für den Bauherren folgen. Bei Unfällen ist er sogar komplett haftbar.

Termingerechte Erbringung der Eigenleistungen

Schwierigkeiten bei der Eigenleistung können aber nicht nur durch Helfer und falsche Kostenkalkulation entstehen. Auch bei Terminangelegenheiten sind Eigenleistungen manchmal ein großes Problem. Wird beispielsweise für den Einbau des Heizkessels durch den Heizungsmonteur der geflieste Estrich nicht rechtzeitig fertig oder ist diese Arbeit mangelhaft ausgeführt, dann kann sich der Bauherr durch seine Eigenleistung schadensersatzpflichtig machen.

Und mit solchen Sachen sollten Bauherren immer rechnen, wenn sie Gewerke ausführen, die für die Ausführung anderer Gewerke von Nöten sind. Fachleute haben nämlich die Pflicht, die Gewerke anderer auf Richtigkeit zu prüfen, bevor sie selber loslegen. Und da spielt es keine Rolle, ob ein Fachmann oder der Bauherr selbst diese Leistung erbracht hat.

Gewährleistungsansprüche können von Eigenleistungen beeinflusst werden

Termine und Abläufe sollten mit der Baufirma und allen anderen am Bau beteiligten Personen wie Handwerker immer abgesprochen werden. Dann weiß nämlich jede Partei, was zu tun und zu lassen ist. Der Bauherr kann aber durch die erbrachte Eigenleistung eventuell sogar Gewährleistungsansprüche verlieren, wie Axel Drückler erklärt. Gibt es beispielsweise ein Jahr nach dem Bau die ersten Anzeichen für Baumängel, dann kann es kompliziert werden. Blättert zum Beispiel der Putz von den Wänden und man kann nicht nachweisen, dass diese Arbeit durch die Baufirma getätigt wurde, dann bleibt man auf diesen Kosten sitzen, da dann davon ausgegangen wird, dass diese Arbeit in Eigenleistung erbracht wurde.

Bei Ausbauhäusern liegt ein Sonderfall vor

Bei sogenannten Ausbauhäusern gibt es einen Sonderfall. Diese Häuser werden von den Bauträgern in verschiedenen Baustufen angepriesen. Das bedeutet, dass das Haus dann günstiger ist, desto weniger der Innenausbau ausgeführt ist. Bei den Bauherren stoßen diese günstigen Kosten natürlich auf viel gegenliebe. Schließlich sind Wände schnell verputzt und Leistungen auch rasch verlegt, so viele Bauherren. Dabei gilt es gerade bei Ausbauhäusern genau nachzuforschen, wie viel Arbeit wirklich noch auf einen zukommt. Welchen Zeitaufwand wird man dafür benötigen? Was für Kosten gibt es für Material, Geräte und Transport wirklich noch? Denn diese Sachen können sich schnell summieren und aus dem Schnäppchen wird am Ende ein teures und zeitaufwendiges Vorhaben, dass zudem noch viel Stress bedeutet.

Zurückhaltende Kalkulierung der Eigenleistung von Vorteil

Die beste Art, viel Stress und Geld bei der Eigenleistung zu sparen, ist wenn man von Beginn an nur geringe Eigenleistungen mit einrechnet. Lieber etwas kleinere Brötchen backen und sich am Ende darüber freuen, dass man doch mehr in Eigenleistung geschafft hat, als vorher kalkuliert war. Denn das Überschätzen der eigenen handwerklichen Möglichkeiten ist für viele Bauherren eine große Belastung und sorgt für viel Stress und Zeitdruck. Denn in der Bauphase wird oft etwas geschludert oder aber man stellt dann doch noch Fachkräfte ein, die man vorher nicht einkalkuliert hat. Und das kann den Rahmen der Baukosten dann schnell sprengen und für hohe Mehrkosten führen.

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Jan Oliver Frickehttps://www.ratgeber-haus-garten.com
Als Herausgeber des Online Magazine Haus & Garten ist es mir eine Freude, die Leser über Interessante Themen zu informieren und meine Erfahrungen zu teilen.

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Letzte Aktualisierung am 8.05.2019 um 15:12 Uhr / Affiliate Links / Bilder von der Amazon Product Advertising API