Bei der Bodenklasse wird von Baufirmen oft getrickst

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Gordon Ball LRPS/shutterstock.com

Bei der Bodenklasse wird von Baufirmen oft getrickst

Der Verband privater Bauherren (VBP) warnt Bauherren davor, auf einen ausgebufften Trick hereinzufallen, der für die Bauherren am Ende sehr teuer wird. Denn für den Aushub werden nämlich von vielen Bauträgern die Kosten viel zu gering angesetzt. Die Bauherrenschützer warnen daher davor, dass im Vertrag absichtlich von den Bauträgern zu niedrige Bodenklassen angegeben werden, wodurch dann nach dem Aushub für die Bauherren sehr große Kosten entstehen. Und diese Kosten muss der Bauherr dann schließlich auch noch tragen. Die Masche der Bauträger ist ärgerlich und hier wird sie daher auch genau.

Wie der Bauingenieur Ralf Säbisch erklärt, werden von den Baufirmen meist nur 40 Zentimeter vertraglich für den Aushub festgelegt, was dann der Bodenklasse 3 entspricht. Für den Leiter des VPB-Regionalbüros Leipzig/Halle reicht das aber nicht aus. Schließlich muss jede Bodenplatte nicht nur auf tragfähigem Grund stehen, sondern auch noch frostsicher gegründet sein.

Falsche Aushubtiefe erzeugt Mehrkosten von 2000 bis 3000 Euro

In Leipzig beispielsweise beginnt der tragfähige Grund erst bei etwa einem Meter und die Frostgrenze ist erst bei 80 Zentimetern erreicht. So muss allein bei diesem Beispiel der Aushub weitaus größer erfolgen, da tiefer gegraben werden muss, um überhaupt eine tragfähige Bodenplatte setzen zu können. Und dieser Mehraufwand für den Aushub kostet natürlich Geld. Schließlich muss auch mehr Erde abgetragen und abtransportiert werden. Laut Säbisch kommen in diesem Beispielsfall schon alleine 2000 bis 3000 Euro an Mehrkosten zusammen. Und natürlich summiert sich das Ganze noch, wenn auch noch ein Keller beim Haus eingeplant ist.

Insgesamt gibt es sieben Bodenklassen

Wird im Bauvertrag eine falsche Bodenklasse zugrunde gelegt, dann entstehen für die Bauherren hohe Mehrkosten. Die meisten Bauherren wissen schließlich gar nicht genau, was sich hinter den Bodenklassen verbirgt. Nach der DIN-183000-Norm werden die Bodenklassen nämlich in sieben Klassen eingeteilt:

  • die Bodenklasse 1 meint den Oberboden
  • in der Bodenklasse 2 werden fließende Bodenarten zusammengefasst
  • die Bodenklasse 3 beschreibt leicht lösbare Bodenarten
  • mit der Bodenklasse 4 werden mittelschwer lösbare Bodenarten klassifiziert
  • die Bodenklasse 5 ist für schwer lösbare Bodenarten ausgelegt
  • bei der Bodenklasse 6 werden leicht lösbarer Fels und vergleichbare Bodenarten gemeint
  • in der Bodenklasse 7 wird schwer lösbarer Fels eingeschlossen

Falsche Bodenklasse ist der häufigste Mangel beim privaten Bau

Die Bodenklasse 3 wird meist in den Bauverträgen veranschlagt. In dieser Bodenklasse gehe man dabei von leicht abzutragenden Sand oder Kies aus, wie Bauherrenschützer Säbisch feststellt. Diese lassen sich natürlich leicht ausheben, abtransportieren und können auch noch anderweitig genutzt werden. Die Realität sieht aber leider beim Boden oft anders aus. Mit der Bodenklasse 4 und 5 bekommt man es beispielsweise beim lehmigen und tonigen Boden in Leipzig zu tun. Und zum Beispiel in Grimma gibt es schon die Bodenklasse 6 bei felsigem Boden. So wird der Aushub natürlich weitaus teurer, wenn nicht die richtige Bodenklasse veranschlagt wurde.

Das kann der Aushub zusätzlich kosten

Wenn man ein Baugrundgutachten erstellen lässt, erfährt man ganz genau, was der Aushub wirklich mehr kosten kann. Zwar kostet das Gutachten selbst zwischen 500 und 1000 Euro, aber der Aufwand lohnt sich. Im Raum Leipzig kostet ein etwa 80 Quadratmeter großes Haus etwa 9000 Euro mehr, allein für den Aushub. Etwa 30 Euro muss man dort pro Kubikmeter Aushub nämlich rechnen. In anderen Regionen liegt der Preis meist zwischen 2 und 47 Euro pro Kubikmeter Aushub, wie der VPB erklärt.

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